grundsaetzlich stimme ich mit Dir ueberein, dass Familien unterstuetzt
werden sollten und dass Frauen die gleichen Moeglichkeiten zur
Selbstverwirklichung haben sollten wie Maenner. Aber es ist sehr
schwer das politisch vernuenftig umzusetzen.
Wenn ich das Programm von den Gruenen lese und Eure Webseite
angucke, finde ich immer Vorschlaege, die in Norwegen bereits
umgesetzt sind und es ist in der Tat so, dass in Norwegen viel
mehr Frauen berufstaetig sind als in Deutschland.
Das Resultat ist aber leider alles andere als wuenschenswert: die
Preise sind so hoch, dass beide Elternteile arbeiten muessen - egal
ob sie wollen oder nicht. Die Muetter haben zusaetzlich zu ihrem
Beruf noch die ueblichen Belastungen zu Hause (denn Elterngeld
aendert ja nicht automatisch die Ehemaenner) und deshalb haben
alle viel weniger Zeit. Das Resultat dieser zusaetzlichen
Belastung ist, dass die Ehen in Norwegen noch viel kuerzer halten
als in Deutschland. Als Beispiel: in der Klasse unseres
Nachbarjungens (in einer voellig normalen Gegend) lebte kein
einziger seiner Mitschueler mit beiden Elternteilen zusammen.
Das kann ja wohl kaum das Ziel gruener Politik sein, oder?
Es ist also wichtig die oekonomische Konsequenzen zu berueck-
sichtigen, wenn man sich ueber Familienpolitik unterhaelt und
das scheint manchmal zu kurz zu kommen.
Dein Cousin :-)
Katja Husen (anonym) - 28. Apr, 12:32
Hallo Christian!
es geht mir gar nicht um die Selbstverwirklichung von Frauen. Dafür wäre dann tatsächlich ein Bürgergeld, wie es aktuell auch in Deutschland mal wieder diskutiert wird, geeigneter. Also eine finanzielle Absicherung jenseits vom Erwerbseinkommen. Davon sind wir aber meilenweit entfernt - und deshalb müssen auch in Deutschland in zunehmendem Maße beide Partner arbeiten. Es werden eben keine Familieneinkommen mehr gezahlt, von denen man PartnerIn und Kinder finanzieren kann. Nicht umsonst sind Kinder in Deutschland das größte Armutsrisiko: Ein Elternteil setzt aus dem Erwerbsleben aus, das Einkommen des anderen reicht nicht für die ganze Familie, s.o. Da die Reallöhne in Deutschland seit Jahren sinken, ist eine Lohnerhöhung zwar angebracht, aber das Problem der fehlenden Familienlöhne wird sie nicht lösen können.
Meine Schlussfolgerung ist, dass ein einkommensabhängiges Elterngeld dieses Armutsrisiko senken kann. Über Kindergelderhöhungen sollte man das m.E. nicht machen, weil das in einer Reihe von Familien doch nicht bei den Kindern, sondern in Spielautomaten und dem nächsten Kiosk landet.
Was das Zusammenleben innerhalb der Familie angeht, gebe ich Dir Recht: ein Elterngeld kann nur Anreize setzen, es wird eine klassische Arbeitsteilung nicht ablösen, wenn diese von einem Partner oder beiden Partnern vertreten wird. Klassische Arbeitsteilung führt aber ja auch in Deutschland nicht wirklich zu einem gegensätzlichen Trend wie in Norwegen: jede zweite Großstadtehe und jede dritte Ehe insgesamt wird geschieden. Ich wette, solche Klassen wie die von Deinem Nachbarjungen gibt es hier auch.
Da in Skandinavien Ehe und Kinder ja eh nicht notwendigerweise zusammen gehören, stellt sich mir schon die Frage, ob das eine Folge der Frauenerwerbstätigkeit ist - oder nicht eher eine Ursache dafür.
Liebe Grüße nach England?
Katja
will ich (anonym) - 16. Mai, 06:57
@ "..... viel mehr Frauen berufstätig als ........"
---------------------------------
Was ist daran so großartig? Worin liegt denn der Erfolg einer Politik, die den Frauen die Kopie eines Männerlebens verspricht?
Viennawolf2 - 16. Mai, 13:13
@ WILL ICH: Finde auch, dass es nicht das Ziel sein kann, dass Frauen einfach nur die Rollen von Männern übernehmen. Die ursprüngliche, zentrale Botschaft der Alternativbewegung war, dass eine bessere Gesellschaftsform, eine humanere, möglich sei.
Eine wo nicht Gewinnmaximierung als oberstes Prinzip gilt, wo ich nicht mehr den Anderen fertig machen muss, dass ich wer bin in der Gesellschaft. Mein Wert als Mensch ist nicht davon abhängig, ob ich jetzt den Wettlauf beispielsweise als Kind gegen ein anderes Kind gewinne. Im Wettlauf des Lebens, dem Kapitalismus in dieser Gesellschaft, ist der Wert meines Lebens davon abhängig, ob ich den Anderen fertig gemacht habe.
In dem Moment, wo ich vom Konsens ausgehe, wo ich nicht mehr den Anderen fertig machen muss, da bin ich bestimmt nicht mehr so einsam, wie ich einsam bin in dieser Gesellschaft.
Im diesen Sinne sollte ein höherer Erwerbsanteil von Frauen in der Gesellschaft dazu führen, dass die Wertmaßstäbe des >Weißen Mannes< in Frage gestellt und schlussendlich umgeworfen werden. Wie weit heute Grüne Politik davon entfernt ist - davon kann sich jedeR selbst ein Bild machen.
will ich (anonym) - 17. Mai, 08:33
@ Viennawolf2: Die "Wertmaßstäbe des >Weißen Mannes<" habe ich mit Hegemoniebestrebungen des "Westens", also der USA mit ihren diversen Darmzotten, wie beispielsweise Europa und Japan, übersetzt.
Dass ein höherer Frauenanteil das Verhalten einer Gruppe verändern muss, erscheint mir logisch. Trotzdem bin ich selber nicht auf die Idee gekommem, dass wir die Ausbeutungspolitik des Westens auf diese Weise verändern können. Zu meiner Verteidigung kann ich aber doch anführen, dass bis heute auch nirgends Anzeichen für eine solche Möglichkeit (obwohl der Frauenanteil doch überall steigt) zu erkennen sind.
Ich bin sicher, dass man am Verhalten eines Konzerns nicht erkennen kann, ob eine Frau oder ein Mann an der Spitze steht.
Ich habe immer gemeint, dass es einen Fortschritt bringen muss, wenn Sozialisten in diese Positionen vordringen. Da habe ich mich aber auch geirrt.
Was ich heute von der, in Gesellschaftsveränderungsabsicht betriebenen, Frauenpolitik der Roten und Grünen sehe, ist leider allzuoft die quotenbedingte Förderung von unqualifizierten Frauen. Gemeinsam mit ihren unqualifizierten männlichen Kollegen, die naturgemäß schon viel länger ihren Mist absondern, haben sie uns dorthin gebracht, wo wir größtenteils nicht sein wollen. Und der Prozess läuft weiter. In die falsche Richtung natürlich.
grundsaetzlich stimme ich mit Dir ueberein, dass Familien unterstuetzt
werden sollten und dass Frauen die gleichen Moeglichkeiten zur
Selbstverwirklichung haben sollten wie Maenner. Aber es ist sehr
schwer das politisch vernuenftig umzusetzen.
Wenn ich das Programm von den Gruenen lese und Eure Webseite
angucke, finde ich immer Vorschlaege, die in Norwegen bereits
umgesetzt sind und es ist in der Tat so, dass in Norwegen viel
mehr Frauen berufstaetig sind als in Deutschland.
Das Resultat ist aber leider alles andere als wuenschenswert: die
Preise sind so hoch, dass beide Elternteile arbeiten muessen - egal
ob sie wollen oder nicht. Die Muetter haben zusaetzlich zu ihrem
Beruf noch die ueblichen Belastungen zu Hause (denn Elterngeld
aendert ja nicht automatisch die Ehemaenner) und deshalb haben
alle viel weniger Zeit. Das Resultat dieser zusaetzlichen
Belastung ist, dass die Ehen in Norwegen noch viel kuerzer halten
als in Deutschland. Als Beispiel: in der Klasse unseres
Nachbarjungens (in einer voellig normalen Gegend) lebte kein
einziger seiner Mitschueler mit beiden Elternteilen zusammen.
Das kann ja wohl kaum das Ziel gruener Politik sein, oder?
Es ist also wichtig die oekonomische Konsequenzen zu berueck-
sichtigen, wenn man sich ueber Familienpolitik unterhaelt und
das scheint manchmal zu kurz zu kommen.
Dein Cousin :-)
es geht mir gar nicht um die Selbstverwirklichung von Frauen. Dafür wäre dann tatsächlich ein Bürgergeld, wie es aktuell auch in Deutschland mal wieder diskutiert wird, geeigneter. Also eine finanzielle Absicherung jenseits vom Erwerbseinkommen. Davon sind wir aber meilenweit entfernt - und deshalb müssen auch in Deutschland in zunehmendem Maße beide Partner arbeiten. Es werden eben keine Familieneinkommen mehr gezahlt, von denen man PartnerIn und Kinder finanzieren kann. Nicht umsonst sind Kinder in Deutschland das größte Armutsrisiko: Ein Elternteil setzt aus dem Erwerbsleben aus, das Einkommen des anderen reicht nicht für die ganze Familie, s.o. Da die Reallöhne in Deutschland seit Jahren sinken, ist eine Lohnerhöhung zwar angebracht, aber das Problem der fehlenden Familienlöhne wird sie nicht lösen können.
Meine Schlussfolgerung ist, dass ein einkommensabhängiges Elterngeld dieses Armutsrisiko senken kann. Über Kindergelderhöhungen sollte man das m.E. nicht machen, weil das in einer Reihe von Familien doch nicht bei den Kindern, sondern in Spielautomaten und dem nächsten Kiosk landet.
Was das Zusammenleben innerhalb der Familie angeht, gebe ich Dir Recht: ein Elterngeld kann nur Anreize setzen, es wird eine klassische Arbeitsteilung nicht ablösen, wenn diese von einem Partner oder beiden Partnern vertreten wird. Klassische Arbeitsteilung führt aber ja auch in Deutschland nicht wirklich zu einem gegensätzlichen Trend wie in Norwegen: jede zweite Großstadtehe und jede dritte Ehe insgesamt wird geschieden. Ich wette, solche Klassen wie die von Deinem Nachbarjungen gibt es hier auch.
Da in Skandinavien Ehe und Kinder ja eh nicht notwendigerweise zusammen gehören, stellt sich mir schon die Frage, ob das eine Folge der Frauenerwerbstätigkeit ist - oder nicht eher eine Ursache dafür.
Liebe Grüße nach England?
Katja
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Was ist daran so großartig? Worin liegt denn der Erfolg einer Politik, die den Frauen die Kopie eines Männerlebens verspricht?
Eine wo nicht Gewinnmaximierung als oberstes Prinzip gilt, wo ich nicht mehr den Anderen fertig machen muss, dass ich wer bin in der Gesellschaft. Mein Wert als Mensch ist nicht davon abhängig, ob ich jetzt den Wettlauf beispielsweise als Kind gegen ein anderes Kind gewinne. Im Wettlauf des Lebens, dem Kapitalismus in dieser Gesellschaft, ist der Wert meines Lebens davon abhängig, ob ich den Anderen fertig gemacht habe.
In dem Moment, wo ich vom Konsens ausgehe, wo ich nicht mehr den Anderen fertig machen muss, da bin ich bestimmt nicht mehr so einsam, wie ich einsam bin in dieser Gesellschaft.
Im diesen Sinne sollte ein höherer Erwerbsanteil von Frauen in der Gesellschaft dazu führen, dass die Wertmaßstäbe des >Weißen Mannes< in Frage gestellt und schlussendlich umgeworfen werden. Wie weit heute Grüne Politik davon entfernt ist - davon kann sich jedeR selbst ein Bild machen.
Dass ein höherer Frauenanteil das Verhalten einer Gruppe verändern muss, erscheint mir logisch. Trotzdem bin ich selber nicht auf die Idee gekommem, dass wir die Ausbeutungspolitik des Westens auf diese Weise verändern können. Zu meiner Verteidigung kann ich aber doch anführen, dass bis heute auch nirgends Anzeichen für eine solche Möglichkeit (obwohl der Frauenanteil doch überall steigt) zu erkennen sind.
Ich bin sicher, dass man am Verhalten eines Konzerns nicht erkennen kann, ob eine Frau oder ein Mann an der Spitze steht.
Ich habe immer gemeint, dass es einen Fortschritt bringen muss, wenn Sozialisten in diese Positionen vordringen. Da habe ich mich aber auch geirrt.
Was ich heute von der, in Gesellschaftsveränderungsabsicht betriebenen, Frauenpolitik der Roten und Grünen sehe, ist leider allzuoft die quotenbedingte Förderung von unqualifizierten Frauen. Gemeinsam mit ihren unqualifizierten männlichen Kollegen, die naturgemäß schon viel länger ihren Mist absondern, haben sie uns dorthin gebracht, wo wir größtenteils nicht sein wollen. Und der Prozess läuft weiter. In die falsche Richtung natürlich.