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Nach der Sommerpause ist mir mal wieder ein Thema untergekommen, dass Österreich bewegt - und in Deutschland bloß zufällig noch nicht zum Skandal geworden ist. Schüssel wusste nichts vom Pflegekräftemangel und dem Problem, dass zunehmend Frauen aus Osteuropa illegal in Österreich pflegen. Nun ist zu lesen, dass auch hochrangige und gut verdienende Politiker Familienmitglieder illegal haben pflegen lassen. Und so fällt Licht auf ein Problem, das bisher als privat galt: häusliche Pflege kann oft nicht mehr von Angehörigen erbracht werden. Aus Mangel an bezahlbaren Pflegekräften und stationären Plätzen werden dann osteuropäische Frauen zur 24/7-Pflege für 1000 Euro angestellt, z.B. zur Dementenpflege. Die Illegalität führt also zu niedrigen Löhnen und unmenschlichen Arbeitszeiten. Aber eine Lösung ist schwierig zu finden: was kann man alles legalisieren? Wie verhindert man, dass die Zuweisung von Pflegeverantwortung einfach von österreichischen und deutschen Frauen auf Migrantinnen geschoben wird - unter tatkräftiger Unterstützung der Männer, die sich erst recht nicht verantwortlich fühlen? Zumal Professionalisierung bei uns anders als in Skandinavien als "abschieben" oder "Entledigung von familiären Pflichten" gilt. Und deshalb bleibt die Pflege eben wieder an Frauen hängen. Wenigstens scheinen Eure Männer langsam aufzuwachen.
armando (Gast) - 28. Aug, 11:17

Hurra, hurra, die Husen ist wieder da. Herzlich willkommen.

Darf ich ein ungelöstes Problem, außerhalb der Frauenpolitik ansprechen? Danke: Unser (österreichischer) Herr Bundeskanzler hat (immer nur in möglichst unauffälligen Nebensätzen) mehrmals gesagt, "die Pflege kann nicht die Aufgabe des Staates sein". Damit kann er nur die Kosten meinen.

Und damit bin ich schon bei meinem Anliegen: Die Sorge für ALLE die nicht selbst für sich sorgen können MUSS verpflichtende Aufgabe des Staates bleiben. Die Politik der fortschreitenden Steuerentlastung der Wirtschaftstreibenden, zum Preis der Auflösung des Sozialstaates, muss UMGEKEHRT werden. Die nötigen Mittel müssen dort geholt werden, wo sie zu bekommen sind: von den ständig steigenden Gewinnen.

Haltungsturner - 28. Aug, 12:27

Naja, ein bisschen komplexer ist das Problem schon. Autobiographisches Beispiel: Nachdem meine Mutter nicht mehr ohne Professionalisierung der Hilfe leben konnte (und daran endgültig zerbrochen und in die Nacht gegangen ist, aber das ist mehr deshalb so, weil sie selbst sich nie der Krankheit stellen konnte), ist die einzige Möglichkeit, sie nicht völlig verwahrlosen zu lassen, ein Heim, das mehrere tausend Euro Zuzahlung (!) im Monat kostet. Zwei Tage im Krankenhaus zwischendurch und sie ist völlig verdreckt, halb verhungert und wund.

Ich kann jeden verstehen, der sich, wenn er sich diese mehrere tausend Euro nicht leisten kann und als Ehemann oder Ehefrau beispielsweise noch arbeiten muss oder will, auf die Suche nach wanderarbeiterinnen macht, die für ihn bezahlbar sind.

Vertragsfreiheit und Freizügigkeit auch mit der neuen EU würde vielleicht helfen, die Illegalität zu vermeiden.

armando (Gast) - 28. Aug, 14:13

@ Haltungsturner. ich sehe keinen Gegensatz zwischen unseren Meinungen. Mein Anliegen ist es, darauf hinzuweisen, dass die Allgemeinheit sich nicht auf die Einzelnen abputzen darf.

DU kannst dir mehrere Tausend Euro pro Monat leisten. Viele können das nicht, deshalb muss es DIE PFLICHT DER ALLGEMEINHEIT sein, für ALLE Pflegebedürftigen zu sorgen. Und zwar so, dass sie nicht völlig verdreckt, halb verhungert und wund sind.

Die Wanderarbeiterinnen auszunutzen ist, vor allem wenn man ein Bundeskanzler ist und daraus eine Antwort auf 40.000 unversorgte Pflegefälle macht, charakterlos. Und kurzsichtig, denn wie lange kann das noch funktionieren? Dahinter gähnt in einem großen ÖVP-schwarzen Loch die Regierung, die, des Nachdenkens ungewohnt, eingeschlafen ist.

Ich bin dafür, sie weiterschlafen zu lassen.
Philipp Leo (Gast) - 29. Aug, 21:26

Haben diese Leute kein Internet?

Nachdem es fast schon ein Klassiker der amerikanischen Innenpolitik ist, über eine nicht angemeldete "Haushaltshilfe" zu stolpern, hätte ich hier dem Herrn Schüssel ein bisschen mehr Intelligenz zugetraut. Oder bessere Berater. Wahrscheinlich schafft auch hier Bewusstsein Wirklichkeit und es war einfach nicht, was nicht sein durfte. In dem Staat voller Hurrahs, Ahs und Ohs, wo das Geräusch des Schulterklopfens von früh bis spät kein Ende nehmen will.

merfeller (Gast) - 30. Aug, 16:55

Auch in Deutschland ein Thema

Ich kenn die östereichischen Verhältniss nicht, allerdings ist das Thema auch in Deutschland akut.
Wen wunder das auch, bei den Kostensätzen in Pflegheimen, falls man überhaupt einen Platz erhält.
Ich bin zum Glück nicht betroffen, kenn aber aus der näheren Umgebung mehrere Fälle, in den die Hilfe ausländischer Pflegerinen in Anspruch genommen wurde/wird.
Allerdings ist es so, dass dadurch für die Familien eine Auszeit möglich wurde.
Die Pflegereinen waren nicht über Wochen beschäftigt.
Das Thema ist komplex.
Will man siene Angehörigen, aus welchen Gründen auch immer, nicht in ein Pflegeheim geben,bedeutet das meist jedoch eine Betreuung rund um die Uhr.
Und die kann und wird in den Fällen die ich kenne, nicht nur von der Frau durchgeführt. Hier sind die Männer schon "aufgewacht".

Solch Pflege geht meist über Jahre hin. Ich finde es daher als sehr wichtig, dass eine Entlastung für einen gewissen Zeitraum auch für die pflegenden Angehörigen möglich ist um z.B. neue Kraft zu sammeln.
Als Abschieben oder Verantwortung abgeben würde ich das nicht bezeichnen.

Diese Thema wurde in der Vergangenheit auch schon "öffentlich" gemacht.
Diskussion, auch um die Stellung der Pflegekräfte aus den osteuropäischen Ländern wurden geführt.

Meiner Erkenntnis nach fehlen einfach ausgebildete Pflegekräfte, die hier für zwei, drei, meinetwegen auch vier Wochen, als Vollzeitkraft 24 Stunden eine Betreunung durchführen.
Es gibt den mobilene Pflegedienst, der tagsüber die pflegenden Angehörigen unterstüzt, der jedoch keine Vollzeitbetreunung übernimmt.

Alternative wäre dann nur ein Heimplatz, aber da schließt sich der Kreis!

armando (Gast) - 31. Aug, 08:50

Tut mir leid, ich versteh' euch nicht.

Offensichtlich hat sich unser Staat, mit Sicherheit der österreichische und anscheinend auch der deutsche, mit seinen unablässigen Steuergeschenken an die Wirtschaft, in eine Situation gebracht, in der er nicht einmal für das nötigste sorgen kann und ihr wollt ein Frauen- und MigrantInnenproblem draus machen.

HIER GEHTS UM DEN UNAUFHÖRLICHEN SOZIALABBAU, der endlich aufhören muss.

Der Staat hat sich endlich wieder auf seine Pflichten zu besinnen, und für ALLE die es selbst nicht können zu sorgen.

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